"Ruhrgebiets-Fußballfan" bekam beim Derby eine Gänsehaut
Bei einem Revier-Derby auf der "Victoria-Fanbank" sitzen zu können - dafür würden viele S04-Fans alles geben. Jens Stakemeier (28) und Sarah Hartwich (15) hatten das große Glück, beim 133. Aufeinandertreffen von Schalke 04 und Borussia Dortmund an der Seitenline Platz nehmen zu können. Es war sogar noch steigerungsfähig: Denn Sarah Hartwich traf anschließend ihren absoluten Lieblingsspieler.
Auf dem Weg von der Pressekonferenz, die im Medienzentrum unter der Victoria-Tribüne stattfand, stand er plötzlich vor ihr: Schalkes "Youngster" Benedikt Höwedes. "Es war am Aufzug", berichtet die 15-Jährige, die blitzschnell reagierte. Die Schülerin hielt Höwedes das wenige Stunden vorher im Schalker Fan-Shop erworbene S04-Trikot mit seinem aufgeflockten Namen hin. Höwedes setzte sein Autogramm auf das königsblaue Shirt. "Das bekommt jetzt einen Ehrenplatz in meinem Zimmer", verrät die Schülerin des Carl-Freidrich-Gauss-Gymnasiums in Gelsenkirchen: Es wird neben ihrem Bett hängen, also immer in Sichtweite.
Auf ihren Plätzen hätten viele gerne gesessen: Jens Stakemeier und Sarah Hartwich kurz vor dem Derby auf der "Victoria-Fanbank".
Ganze 15 Minuten wohnt Sarah Hartwich vom Gelsenkirchener Stadion entfernt. In Rotthausen. Und sie war auch schon zwei, drei Mal bei Bundesligaspielen der "Königsblauen". Doch einen Platz wie beim Bundesliga-Klassiker gegen Borussia Dortmund (1:1) hatte sie noch nie. Entsprechend groß war denn auch das Staunen, als sie am Donnerstag von Mutter Manuela eine SMS erhielt, dass sie das Nachbar-Duell in der Arena auf einem Super-Platz direkt an der Außenlinie verfolgen könne. "Ich dachte erst, das wäre ein Witz." War es aber nicht. Und in der Schule, in ihrer zehnten Klasse, waren alle ziemlich neidisch. "Da waren einige, die mich gefragt haben, ob sie mein Ticket für die Victoria-Fanbank haben können."
Konnten sie natürlich nicht. Sarah startete mit Vater Daniel, für den die Victoria ebenfalls ein Vip-Ticket auf der Victoria-Tribüne spendiert hatte, am Freitag nachmittag Richtung Arena. "Unsere Extra-Führung war klasse", sagt sie. Doch natürlich waren die 90 Minuten während des Derbys der absolute Höhepunkt. "Das war super cool", beschreibt Sarah Hartwich die Stimmung. "Trotz des Riesenlärms konnte man hören, was die Spieler sich zugerufen haben." Und sogar Schalkes Tor durch den sensationellen Seitfall-Rückzieher von Kuranyi fiel nur wenige Meter von Victoria-Fanbank entfernt.
Den riesengroßen Jubel nach dem spektakulären Treffer des Schalker Goalgetters erlebte auch Jens Stakemeier aus nächster Nähe mit. Der 28-jährige Student saß neben Sarah Hartwich - und war ein wenig hin und hergerissen. Die Frage für ihn war: Wem drücke ich heute Abend die Daumen? Denn Stakemeier ist ein echtes Kind des Reviers: Geboren in Essen, wohnt er inzwischen in Dortmund, studiert in Bochum Jura und jobt ab und zu bei Borussia Dortmund. Als Volunteer bei den Heimspielen im Stadion. Also, wem die Daumen drücken? "Mein Opa hat immer gesagt: Wir sind für den, wo wir näher dran sind. Ich sehe die Sache eher etwas neutraler und bin ein Ruhrgebiets-Fußballfan, der sich einfach über ein schönes Spiel freut."
Womit denn auch geklärt wäre, dass Stakemeier sozusagen als neutraler Beobachter auf der Victoria-Fanbank saß. Und einen Riesenspaß hatte. Auch Stakemeier war nicht das erste Mal in der Schalker Arena. Aber: "Das Erlebnis, ausgerechnet beim Derby praktisch neben der Trainerbank sitzen zu können, das war schon sensationell", schwärmt er. Stakemeier brachte wie Sarah Hartwich seinen Vater Norbert (60) mit. "Der war zunächst total perplex, als ich ihn gefragt habe, ob er zufällig Lust habe, ein Top-Spiel aus nächster Nähe zu sehen."
Wie Sarah Hartwich war Jens Stakemeier restlos begeistert von der flirrenden Atmosphäre dort unten, ganze 4, 43 Meter von der Seitenlinie entfernt. "Das war super", sagt er. Und wer ihn so von diesem einzigartigen Abend schwärmen hört, ist überzeugt: Das meint er ernst - der Ruhrgebiets-Fußballfan. (lü)